Aromatherapie findet zunehmend Einzug in Spitäler und Kliniken, um den Heilungsverlauf von Patientinnen und Patienten auf natürliche Weise zu unterstützen. Sie kann dazu beitragen, das Wohlbefinden zu fördern und Beschwerden wie Übelkeit, Schmerzen oder Schlafprobleme zu lindern. Wie Aromatherapie im Klinikalltag eingesetzt wird, welche Vorteile sie bietet und worauf bei der Anwendung zu achten ist, erklärt die Aromatherapeutin und Dipl. Pflegefachfrau Corinne Baumann im Interview.
Corinne Baumann: Die Aromatherapie oder auch Aromapflege wird eingesetzt, um das Wohlbefinden und den Allgemeinzustand einer Person zu steigern. Dafür kommen 100% naturreine Pflegeprodukte zum Zug, zu welchen ätherische Öle, fette Pflanzenöle und Hydrolate gehören. Die Wirkstoffe können entweder über die Nase oder über die Haut aufgenommen werden und unterstützen dort die körpereigenen Heilungskräfte.
Corinne Baumann: Die Aromapflege wir zunehmend in Spitälern und Heimen integriert. Sie dient als wertvolle ergänzende Behandlungsmethode. Immer mehr Menschen wünschen sich einen möglichst natürlichen Behandlungsansatz. Mit der Aromapflege können wir diesem Bedürfnis entgegenkommen.
Corinne Baumann: Wir haben ein Aromapflegekonzept, in welchem genau festgelegt ist, bei welchen Symptomen welches Produkt angeboten werden kann. Bei postoperativer Nausea erhält ein Patient beispielsweise eine bestimmte Aromaölmischung zur Inhalation. Bei einem geschwollenen, hämatösen Knie wiederum kann eine abschwellende, schmerzlindernde Ölmischung direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden.
Weitere typische Symptome, die wir mit der Aromatherapie unterstützend behandeln, sind Schlafprobleme, Harnverhalt oder Obstipation. Darüber hinaus verfügen wir auch über Wickel, Auflagen und Raumbeduftung. All dies wird individuell auf den Patienten abgestimmt.
Corinne Baumann: Auf unserer Abteilung setzen wir oft eine Mischung aus Zitrone, Ingwer und Pfefferminze gegen postoperative Nausea ein. Im Falle von ödematösen, hämatösen und geröteten Knien nach einer Knieoperation verwenden wir eine Mischung aus Immortelle, Rosengeranie und Lavendel. Wir haben schon sehr viele positive Rückmeldungen von Patienten auf diese Behandlungen erhalten.
Corinne Baumann: Bei der therapeutischen Anwendung werden bestehende Symptome wie Schmerzen oder Husten behandelt. Dabei setzt man ätherische Öle ein, die gezielt die Symptomlinderung unterstützen. Die Duftpräferenz ist dabei zweitrangig.
Bei einer Wellness-Anwendung steht die Duftpräferenz an erster Stelle. Es wird ein Duft gewählt, den die behandelte Person als angenehm empfindet, beispielsweise ein bestimmtes Parfum oder ein Massageöl, von welchem sie sich «umschmeichelt» fühlt. Die direkte Wirkung des Öls steht hier also nicht im Vordergrund.
Corinne Baumann: Ja, die gibt es. Vor allem bei der Dosierung von ätherischen Ölen ist Vorsicht geboten. Oft hört man, ein zwei Tropfen mehr spiele keine Rolle. Tatsächlich sollte man sich immer an die empfohlene Dosierung für Mischungen und Anwendungen halten, um längerfristig keine lebertoxischen Schäden zu riskieren.
Auch sollte beachtet werden, dass bei Kindern oder bestimmten Risikogruppen nicht wahllos alle ätherischen Öle eingesetzt werden dürfen. Einige Öle wirken beispielsweise blutdrucksteigernd oder im Falle einer Schwangerschaft wehenfördernd.
Wenn man sich diese Punkte aber bewusst ist und sich bewusst mit der Thematik auseinandersetzt, ist der Einsatz von ätherischen Ölen jedoch meist problemlos. Bei Unsicherheiten wendet man sich am besten an speziell geschultes Fachpersonal.
