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19.05.2026

Achtung Zecken:

Mit steigenden Temperaturen nimmt auch die Aktivität der Zecken zu – längst nicht mehr nur zwischen Frühling und Herbst. Die kleinen Parasiten sind bekannt dafür, Krankheiten zu übertragen. Mit einfachen Schutzmassnahmen kann man sich schützen

Die Temperaturen steigen, die Natur erwacht – und nicht nur wir Menschen fühlen uns zunehmend wohler. Auch die Zecken werden munterer, saugen sich an Tier oder Mensch fest und können dabei verschiedene Krankheiten übertragen. Während sich in früheren Jahrzehnten in der Schweiz durch Zecken erworbene Erkrankungen auf Frühjahr bis Herbst beschränkten, zeigt sich parallel zur globalen Erderwärmung eine zunehmende Zeckenaktivität auch ausserhalb dieser Jahreszeiten.

Vorkommen und Biologie

Etwa ein Drittel aller Zecken in der Schweiz ist mit Borrelien (z. B. Borrelia burgdorferi, ein Bakterium) infiziert. Als Risikogebiet für Borrelien gilt die gesamte Schweiz, mittlerweile sind Zecken auch in Höhenlagen über 1500 m zu finden. Schätzungsweise etwa 1 % der Zecken ist mit dem Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSME-Virus) infiziert. Nahezu die gesamte Schweiz (mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin) gilt hierfür als Risikogebiet.

Zecken verfügen über einen Stechapparat, sie beissen nicht. Statistisch gesehen werden beim Menschen rund 50 % der Zeckenstiche nicht bemerkt, da zu Beginn des Stichs eine lokale Betäubung der Haut erfolgt. Die Blutmahlzeit bei Säugetieren und beim Menschen ist Voraussetzung für die Entwicklung in das nächste Stadium sowie letztlich für die Fortpflanzung.

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

In der Schweiz tritt die Borreliose häufig auf. Je nach Stadium der Erkrankung zeigen sich unterschiedliche Krankheitsbilder. Als Beispiel einer Frühform mit Hautmanifestation ist vielen Menschen die Wanderröte bekannt. Diese verursacht am Ort der ringförmigen rötlichen Verfärbung einen gewissen Dyskomfort, etwa Juckreiz oder leichte Schmerzen.

Im Verlauf kann es zu einer Gelenkentzündung kommen, meist eines grossen Gelenks mit Erguss. Schwieriger erkennbare Manifestationen sind der Befall des Nervensystems, beispielsweise Früh- oder Spätneuroborreliose, darunter auch ein Nervenwurzelbefall der Wirbelsäule mit nächtlich einschiessenden Schmerzen oder der Befall der Haut einer Gliedmasse.

Eine seltene Form ist der Befall des Herzens. Unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Gelenkschmerzen treten bei Borreliose relativ häufig auf, begleiten jedoch die genannten Krankheitsformen und sind somit Begleitsymptome.

Erkrankungen durch das FSME-Virus verlaufen meist unbemerkt. Gefürchtet sind Verläufe mit Befall des Nervensystems im Sinne einer Hirn- oder Hirnhautentzündung, die eine Behandlung im Spital erfordern. Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Gedächtnisstörungen heilen meist innerhalb von Wochen bis Monaten aus.

Zunehmend beobachtet wird in der Schweiz auch die Hasenpest (Tularämie; Erreger: Francisella tularensis), die unter anderem durch Zecken übertragen werden kann. Eine typische Manifestation ist ein sogenannter Eschar der Haut.

Wie kann ich mich schützen?

Beim Aufenthalt in der Natur schützt den Körper bedeckende, idealerweise geschlossene Kleidung. Repellentien gegen Zecken wirken grundsätzlich etwas weniger zuverlässig als solche gegen Stechmücken.

Das Absuchen der Haut nach einem Aufenthalt in der Natur kann eine Krankheitsübertragung verhindern, da Zecken vor dem Zustechen oft zunächst auf der Haut umherwandern, um eine geeignete Stelle zu finden.

In der Schweiz wird allen Einwohnerinnen und Einwohnern die Impfung gegen FSME empfohlen. Diese kann bereits im Kleinkindalter erfolgen. Eine sehr gute Wirksamkeit besteht nach drei Impfdosen im Sinne der Grundimmunisierung; der Schutz wird durch eine Auffrischimpfung alle zehn Jahre aufrechterhalten.

Je rascher eine Zecke entfernt wird, desto eher kann eine durch Borrelien verursachte Erkrankung verhindert werden. FSME kann allerdings bereits unmittelbar nach dem Stich übertragen werden.

Was mache ich bei einem entdeckten Zeckenstich?

Die Zecke sollte langsam und möglichst gerade, hautnah am Kopf, mit einer Pinzette oder Zeckenzange entfernt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, den Hinterleib nicht zu quetschen.

In den Tagen bis etwa vier Wochen nach einem Zeckenstich sollte auf Hautveränderungen sowie auf Allgemeinsymptome wie grippeähnliche Beschwerden, Erkältungssymptome oder Kopfschmerzen geachtet werden. In solchen Fällen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Was mache ich bei einer Wanderröte?

Wanderröten treten in der Regel frühestens zwei Tage nach einem Zeckenstich auf. Die Diagnose einer Wanderröte erfordert eine mehrtägige antibiotische Therapie, in der Regel über zehn Tage. Dadurch werden sowohl die Hautmanifestation behandelt als auch spätere Krankheitsstadien verhindert.

Fazit

Zecken sind in der Schweiz weit verbreitet und ganzjährig zunehmend aktiv. Die meisten Stiche verlaufen harmlos, dennoch können relevante Infektionskrankheiten übertragen werden. Entscheidend sind ein konsequenter Schutz im Freien, das sorgfältige Absuchen der Haut sowie das rasche Entfernen von Zecken. Bei auffälligen Symptomen nach einem Stich sollte frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden. Die FSME-Impfung stellt zudem eine wirksame präventive Massnahme dar.

Über den Autor

Dr. med. Philippe Rafeiner ist stellvertretender Chefarzt für Innere Medizin sowie Infektiologe am Spital Zofingen. Er verfügt über umfassende Erfahrung im Umgang mit schweren Infektionskrankheiten.

Our speakers

Spital Zofingen

Dr. med. Philippe Rafeiner

Specialisation
Internal medicine, Infectiology