Prostatakrebs ist in der Schweiz die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Gemäss den Zahlen des Bundes gab es in der letzten Periode (2018-2022) durchschnittlich ≈ 8'291 Neuerkrankungen pro Jahr. Die beobachtete jährliche Inzidenzrate beträgt rund 135,4 pro 100'000 Männer. Das mediane Alter bei der Diagnose liegt in der Schweiz bei 70,7 Jahren. Je nach Land und aktuellen Registern liegt es zwischen 67 und 71 Jahren. (1)
Dank technologischer Innovationen ermöglicht die Empfindlichkeit von MRT-Scans eine fusionierte Bildgebung für eine gezielte Echtzeitführung, sowohl für eine genaue Diagnose als auch für eine gezielte Behandlung. Dieser epidemiologische und technologische Kontext rechtfertigt die Bedeutung der Entwicklung wirksamer und gut verträglicher therapeutischer Strategien für eine verbesserte Lebensqualität nach der Behandlung. Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) revolutioniert die Behandlung von Prostatakrebs, indem er eine gezielte, nicht-invasive und personalisierte Behandlung ermöglicht. Die Konzentration der Ultraschallenergie zerstört Krebszellen mit grosser Präzision, während das umliegende gesunde Gewebe geschont wird.
Fokussierte Bildgebung, Echtzeitführung und «intelligente» Algorithmen machen diese Technologie sicherer, effektiver und angenehmer für die Patienten. Sie fügt sich perfekt in den fokalen Behandlungsansatz ein, der darauf abzielt, nur den Tumorbereich zu behandeln, um die Nebenwirkungen zu reduzieren. Mit Geräten der neuen Generation und einer zunehmenden klinischen Akzeptanz entwickelt sich die HIFU-Behandlung zu einer vielversprechenden Alternative für lokal begrenzte Krebserkrankungen. Diese Innovation setzt neue Massstäbe für eine präzisere, schonendere Behandlung, bei der die Lebensqualität im Vordergrund steht und gleichzeitig eine zufriedenstellende lokale Kontrolle bei sorgfältig ausgewählten Tumoren gewährleistet ist.
Bei Patienten mit mittlerem Risiko beträgt die rezidivfreie Überlebensrate bei klinisch signifikantem Krebs nach 12 bzw. 24 Monaten 86 % bzw. 81 %. Die Fünfjahresüberlebensrate ohne radikale und systematische Behandlung liegt bei 82 %. Die Harninkontinenz wird auf 3 % geschätzt, während die erektile Dysfunktion bei 11 % liegt. Die fokale Therapie bietet bei ausgewählten Patienten eine zufriedenstellende Kontrolle des Prostatakrebses. (2) Die Lage des Tumors in der Drüse (3) und das Geason4-Volumen in der Histologie (4) sind die wichtigsten Auswahlkriterien. Die Therapietreue der Patienten liegt bei 89 %, und 86 % würden sich bei einer erneuten Behandlung wieder für diese Behandlung entscheiden. (3)
Im Falle eines Rezidivs nach einer HIFU-Behandlung stehen weitere therapeutische Optionen zur Verfügung, wie z. B. aktive Überwachung, HIFU-Retreatment, radikale Prostatektomie, Strahlentherapie oder systemische Behandlung, je nach den spezifischen Kriterien. Eine Folgebehandlung mit HIFU ist also möglich.
Die fokale Therapie ist eine wirksame Behandlungsoption für lokalisierte Prostatakarzinome mit begrenzter Morbidität bei ausgewählten Patienten. Diese Behandlung wird in einem geregelten Rahmen und gemäss den Empfehlungen durchgeführt. Alle Fälle werden in Fokaltherapiekonferenzen besprochen und validiert.
Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs, günstigem oder mittlerem Risiko, die ihre Sexual- und Harnfunktion erhalten wollen, sind ideale Kandidaten für eine fokale Behandlung.
Wir verwenden die FocalOne®-Roboterplattform, die hochintensiven fokussierten Ultraschall erzeugt. Die Plattform erzeugt nicht nur Ultraschall für die Behandlung, sondern kombiniert auch Ultraschallbildgebung und Sondenrobotisierung. Diese Sonde wird endorektal eingeführt. Sie ist robotisiert und erzeugt gleichzeitig Ultraschall für die Ultraschallbildgebung und die Behandlung. Es handelt sich um einen bildgebenden Schallkopf und einen therapeutischen Schallkopf (HIFU).
Der therapeutische Schallkopf, der aus piezoelektrischen Kristallen besteht, erzeugt hochintensiven, auf einen einzigen Punkt fokussierten Ultraschall. Der HIFU-Schallkopf ist wie ein Parabolspiegel gekrümmt, so dass der ausgesandte Ultraschall in einem präzisen Brennpunkt, dem Fokus, konvergiert.
Die Temperatur im Brennpunkt steigt auf etwa 100 °C an, was eine Koagulationsnekrose und die Zerstörung der Krebszellen bewirkt. Der zerstörte Bereich misst 1 bis 3 mm im Durchmesser und 5 bis 10 mm in der Länge. Mit mehreren aufeinanderfolgenden «Schüssen» im Abstand von 5 mm wird das Zielvolumen des Tumors behandelt.
Der Urologe bestimmt und plant das zu behandelnde Tumorvolumen auf der Grundlage der Morphologie und der Lage des Tumors. Er verwendet 3D-Ultraschallbilder der Prostata, die zu Beginn des Eingriffs aufgenommen wurden und die er mit den MRT-Bildern zusammenführen kann, die für die gezielten Biopsien verwendet wurden, die zur Diagnose führten. So kann der Tumor innerhalb des Prostatavolumens sichtbar gemacht werden. Die Plattform verfügt über Sicherheitsfunktionen: ein Kühlsystem für die Rektalwand, einen Bewegungsmelder, der das Verfahren stoppt, wenn sich der Patient bewegt, und eine Echtzeit-Ultraschallüberwachung, die sicherstellt, dass der definierte Bereich korrekt behandelt wird. Das gesamte Verfahren wird unter Vollnarkose durchgeführt und dauert durchschnittlich 45 Minuten. Planung und Behandlung.
1. Alle Krebsarten nach Alter, von 2018 bis 2022 - 2018-2022 | Grafik
2. Slusarczyk A, et al. Eur Urol Oncol. 2025
3. Ficarra V. et al, Prostate Cancer Prostatic Dis. 2025
4. Vickers AJ, et al. Eur Urol.2024