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31.03.2026

Wenn Angehörige an ihre Grenzen kommen

Unterstützungsbedarf erkennt man an kleinen Unsicherheiten im Alltag, zunehmender Vergesslichkeit oder einem Rückzug. Dies wird als «normal im Alter» eingeordnet. Bedarf an Hilfe entwickelt sich jedoch meist über eine längere Zeit.

Wenn ein nahestehender Mensch älter wird, verändern sich auch gewohnte Abläufe innerhalb der Familie. Aufgaben, die früher selbstverständlich waren, fallen zunehmend schwer oder brauchen mehr Unterstützung. Viele Betroffene sprechen nicht offen über ihre Schwierigkeiten – sei es aus Scham, aus Angst ihre Selbstständigkeit zu verlieren, oder weil sie ihre eigenen Grenzen nicht klar kennen. Gerade deshalb kommt Angehörigen eine zentrale Rolle zu: Sie sind häufig die Ersten, die Veränderungen wahrnehmen und einordnen müssen. Dabei ist es ganz normal, sich unsicher zu fühlen. Umso wichtiger ist es, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und zu wissen, welche Unterstützungsangebote zur Verfügung stehen.

Warnsignale im Alltag – worauf Angehörige achten sollten

Körperliche Veränderungen

Ein erstes Anzeichen für zunehmenden Unterstützungsbedarf können körperliche Veränderungen sein. Hinweise sind etwa häufige Stürze, Unsicherheiten beim Gehen oder nachlassende Kraft. Auch ein deutlicher Gewichtsverlust, mangelnde Körperhygiene oder Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben wie Kochen, Einkaufen oder im Haushalt können darauf hindeuten, dass der Alltag nicht mehr eigenständig bewältigt werden kann. Wenn alltägliche Aufgaben zunehmend schwerfallen, kann es sinnvoll sein, Unterstützung durch Fachkräfte in Anspruch zu nehmen. Im Pflegezentrum stehen dafür verschiedene Angebote zur Verfügung, zum Beispiel Langzeitpflege oder Kurzzeitpflege.

Psychische Veränderungen

Neben körperlichen Veränderungen können auch psychische Veränderungen auftreten, die oft weniger sichtbar sind oder als «Charakterveränderung» eingeordnet werden. Dazu gehören zum Beispiel sozialer Rückzug, nachlassendes Interesse an früher geschätzten Aktivitäten oder eine verminderte Antriebskraft. Auch Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmung oder vermehrte Ängstlichkeit können auftreten. Hinweise können auch veränderte Schlafgewohnheiten, nächtliche Unruhe oder wiederkehrende Sorgen sein. Für Angehörige ist es oft herausfordernd, diese Veränderungen einzuordnen, da sie nicht immer klar erkennbar sind. Eine fachliche Abklärung kann helfen. Im Pflegezentrum bietet die Abteilung Gerontopsychiatrie gezielte Betreuung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige an.

Kognitive Veränderungen

Ein weiterer zentraler Bereich sind Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit. Diese zeigen sich häufig zuerst in kleinen Auffälligkeiten im Alltag. Dazu gehört beispielsweise das Vergessen von Terminen, Fragen werden wiederholt gestellt oder gewohnte Abläufe gelingen nicht mehr sicher. Auch der Umgang mit Geld, Medikamenten oder technischen Geräten kann zunehmend Schwierigkeiten bereiten. Auch Orientierungslosigkeit, etwa bezüglich Zeit, Ort oder Personen, kann ein Hinweis auf eine Veränderung im Gedächtnis hinweisen. Für Angehörige kann auch belastend sein, dass sich das Verhalten verändert: Unruhe, Rastlosigkeit oder der Drang, die Wohnung zu verlassen, können auftreten. Gleichzeitig fällt es den Betroffenen oft schwer, ihre Einschränkungen selbst einzuschätzen. Diese Veränderungen sollten fachlich abgeklärt werden. Bei einer fortschreitenden Demenz kann eine angepasste Wohnumgebung sinnvoll sein. Das Pflegezentrum bietet hier eine geschützte Abteilung für Menschen mit Demenz an.

Chronische und schwere Erkrankungen

Mit zunehmendem Alter gewinnen chronische und schwere Erkrankungen oft an Bedeutung und beeinflussen den Alltag stärker. Anhaltende Schmerzen, ausgeprägte Atemnot oder wiederholte Spitalaufenthalte können Hinweise darauf sein, dass eine intensivere medizinische und pflegerische Unterstützung erforderlich wird. Palliative Care wird dabei häufig mit der letzten Lebensphase gleichgesetzt, umfasst jedoch deutlich mehr. Ihr Ziel ist es, die Lebensqualität von Menschen mit schweren Erkrankungen möglichst lange zu erhalten oder zu verbessern – und gleichzeitig auch die Angehörigen zu entlasten.

 

Pflegezentrum im Spital Zofingen | Für Pflege & Betreuung

Publikumsvortrag "Muskelverlust im Alter", 22. April 2026

Tipps, wie man Betroffene Personen unterstützen kann

Welche konkreten Handlungsschritte können Angehörige einleiten, wenn sie jemanden unterstützen möchten?

Zunächst ist es hilfreich, den Alltag der betroffenen Person genau zu beobachten und Veränderungen behutsam zu dokumentieren, beispielsweise vergessene Termine oder Schwierigkeiten bei  Alltagsaufgaben. Anschliessend können die Angehörigen gezielt Hilfe anbieten, ohne die Selbstständigkeit einzuschränken, etwa durch Einkäufe, Begleitung zu Terminen etc.Wichtig ist auch, frühzeitig professionelle Betruungsangebote und Hausärztinnen und Hausärzte einzubeziehen, um die Situation fachlich einzuschätzen und Entlastungsmöglichkeiten zu prüfen. 

Wie können Angehörige ein schwieriges Gespräch über Unterstützung sensibel ansprechen?

Das Gespräch sollte in einem ruhigen Moment stattfinden, ohne Druck und Vorwürfe. Angehörige können ihre eigenen Beobachtungen einfühlsam und mit Respekt mitteilen, zum Beispiel: «Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit öfter den Herd angelassen hast. Ich mache mir Sorgen und möchte gerne mit dir zusammen überlegen, wie ich dich unterstützen kann.»

Was raten Sie Familien, die sich unsicher sind, welcher Schritt der richtige ist?

Es ist sinnvoll, zunächst professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, etwa bei Beratungsangeboten, Pflegefachpersonen oder bei der Hausärztin/dem Hausarzt. Kleine Schritte und flexible Lösungen sind meist zielführender als sofortige umfassende Veränderungen. Angehörige sollten frühzeitig ihre Beobachtungen ansprechen, Prioritäten setzen und externe Unterstützung einbinden – sowohl für die betroffene Person als auch zur eigenen Entlastung.

Das Pflegezentrum im Spital Zofingen bietet die im Text erwähnten Dienstleistungen wie Langzeitpflege, Gerontopsychiatrie oder Palliative Care an – ist das Pflegezentrum also mehr als ein «normales» Altersheim?

Ja. Pflegezentren wie das im Spital Zofingen bieten ein breites Spektrum an spezialisierten Dienstleistungen an. Um unser Angebot zu nennen: Die Langzeitpflege ist passend für Menschen mit dauerhaftem Unterstützungsbedarf, die Kurzzeitpflege entsprechend für eine vorübergehende Entlastung. Eine geschützte Abteilung mit Tagesstruktur für Menschen mit Demenz bieten wir ebenso an wie auch gerontopsychiatrische Pflege: Ein individuell gestalteter Tagesablauf steht im Vordergrund für psychiatrische Erkrankungen im Alter. Bei der spezialisierten Palliative Care Langzeit ermöglicht ein interprofessionelles Team eine ganzheitliche Pflege und Betreuung bei schwer erkrankten Menschen. Das Pflegezentrum profitiert zudem von der Nähe zum Spital Zofingen. Es vereint medizinische, pflegerische, therapeutische und soziale Expertise unter einem Dach. Angehörige profitieren von einer umfassenden Betreuung, fachlicher Beratung und Entlastung, während die betroffene Person in einer sicheren, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Umgebung leben kann

Autorin

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