Soto-Perez-de-Celis E, Haase KR, Yennu S, Brain E, Han CY, Herrstedt J, Matsuoka A, Marinho J, Mustian L, Pilleron S, Ramsey I, Steer C, Aapro M. Defining and addressing loneliness in older adults with cancer: an international Delphi consensus from the Multinational Association of Supportive Care in Cancer Geriatrics Study Group. Lancet Healthy Longev. 2026 Jan;7(1):100811. doi: 10.1016/j.lanhl.2025.100811. Epub 2026 Jan 7. PMID: 41519140.
Da die Bevölkerung immer älter wird, ist die Onkologie zunehmend mit den komplexen Bedürfnissen älterer Patienten konfrontiert. Neben den biologischen und therapeutischen Herausforderungen, die eine Krebserkrankung mit sich bringt, erweisen sich psychosoziale Faktoren - insbesondere die Einsamkeit - als entscheidende Determinanten für den Gesundheitszustand. Dennoch wird Einsamkeit in der geriatrischen Onkologie nach wie vor nur unzureichend anerkannt und selten systematisch behandelt.
Ein kürzlich veröffentlichter internationaler Konsens der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) Geriatrics Study Group soll diese Lücke schliessen, indem er einen Rahmen für die Definition, Bewertung und Behandlung von Einsamkeit bei älteren Erwachsenen mit Krebs bietet.
Das Expertengremium erkennt die Einsamkeit als mehrdimensionales klinisches Problem an und empfiehlt, ihre Bewertung in die routinemässige Krebsbehandlung zu integrieren. Das Screening sollte idealerweise zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose beginnen, wenn die Patienten oft mit grossen emotionalen und sozialen Störungen konfrontiert sind. Wichtig ist, dass die Verantwortung für die Erkennung von Einsamkeit nicht bei einer einzelnen Berufsgruppe liegt: Onkologen, Pflegekräfte, Psychologen, Sozialarbeiter und Palliativmediziner haben alle die Aufgabe, psychosoziale Probleme zu erkennen und zu behandeln.
Was die Interventionen betrifft, so besteht Konsens darüber, dass menschenzentrierte und gemeinschaftsbasierte Strategien bevorzugt werden. Selbsthilfegruppen, psychologische Beratung, Hausbesuche und Programme, die soziales Engagement oder körperliche Aktivität fördern, wurden als besonders vielversprechend eingestuft. Im Gegensatz dazu sollten rein technologiebasierte Ansätze - auch wenn sie potenziell nützlich sind - mit Vorsicht eingesetzt werden, da sie möglicherweise nicht vollständig auf die relationale Natur der Einsamkeit eingehen, insbesondere bei älteren Erwachsenen.
Eine weitere wichtige Dimension ist die gesundheitliche Chancengleichheit. Experten haben festgestellt, dass ältere Erwachsene, die in Armut oder in ländlichen und abgelegenen Gebieten leben, besonders anfällig für Einsamkeit sind. Strukturelle Hindernisse wie begrenzter Zugang zur Gesundheitsversorgung, Transportschwierigkeiten und eingeschränkte Ressourcen in der Gemeinde können die Isolation verschärfen und die Krebsbehandlung erschweren.
Letztendlich unterstreicht der Konsens die Notwendigkeit, soziale Beziehungen in die onkologische Versorgung einzubinden. Da Krebs zunehmend zu einer chronischen Erkrankung wird, die über Jahre hinweg behandelt wird, ist die Berücksichtigung der emotionalen und relationalen Bedürfnisse älterer Erwachsener von entscheidender Bedeutung für eine wirklich patientenzentrierte Versorgung.