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16.04.2026

Einsamkeit bei älteren Erwachsenen mit Krebs: Eine stille klinische Herausforderung

Soto-Perez-de-Celis E, Haase KR, Yennu S, Brain E, Han CY, Herrstedt J, Matsuoka A, Marinho J, Mustian L, Pilleron S, Ramsey I, Steer C, Aapro M. Defining and addressing loneliness in older adults with cancer: an international Delphi consensus from the Multinational Association of Supportive Care in Cancer Geriatrics Study Group. Lancet Healthy Longev. 2026 Jan;7(1):100811. doi: 10.1016/j.lanhl.2025.100811. Epub 2026 Jan 7. PMID: 41519140.

Da die Bevölkerung immer älter wird, ist die Onkologie zunehmend mit den komplexen Bedürfnissen älterer Patienten konfrontiert. Neben den biologischen und therapeutischen Herausforderungen, die eine Krebserkrankung mit sich bringt, erweisen sich psychosoziale Faktoren - insbesondere die Einsamkeit - als entscheidende Determinanten für den Gesundheitszustand. Dennoch wird Einsamkeit in der geriatrischen Onkologie nach wie vor nur unzureichend anerkannt und selten systematisch behandelt.

Ein kürzlich veröffentlichter internationaler Konsens der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) Geriatrics Study Group soll diese Lücke schliessen, indem er einen Rahmen für die Definition, Bewertung und Behandlung von Einsamkeit bei älteren Erwachsenen mit Krebs bietet.

Einsamkeit ist nicht einfach das Fehlen sozialer Kontakte; sie ist eine subjektive Erfahrung, die aus einem Missverhältnis zwischen gewünschten und tatsächlichen sozialen Beziehungen entsteht. Bei älteren Erwachsenen mit Krebs kommen mehrere Faktoren zusammen, die die Anfälligkeit erhöhen: Funktionseinbussen, behandlungsbedingte Symptome, Verlust sozialer Rollen, Trauerfälle und schrumpfende soziale Netzwerke.

Diese Veränderungen können das emotionale Wohlbefinden stark beeinträchtigen und zu einer Kaskade von klinischen Folgen führen, darunter eine schlechtere Therapietreue, eine erhöhte Symptombelastung und eine geringere Lebensqualität.

Das Expertengremium erkennt die Einsamkeit als mehrdimensionales klinisches Problem an und empfiehlt, ihre Bewertung in die routinemässige Krebsbehandlung zu integrieren. Das Screening sollte idealerweise zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose beginnen, wenn die Patienten oft mit grossen emotionalen und sozialen Störungen konfrontiert sind. Wichtig ist, dass die Verantwortung für die Erkennung von Einsamkeit nicht bei einer einzelnen Berufsgruppe liegt: Onkologen, Pflegekräfte, Psychologen, Sozialarbeiter und Palliativmediziner haben alle die Aufgabe, psychosoziale Probleme zu erkennen und zu behandeln.

Was die Interventionen betrifft, so besteht Konsens darüber, dass menschenzentrierte und gemeinschaftsbasierte Strategien bevorzugt werden. Selbsthilfegruppen, psychologische Beratung, Hausbesuche und Programme, die soziales Engagement oder körperliche Aktivität fördern, wurden als besonders vielversprechend eingestuft. Im Gegensatz dazu sollten rein technologiebasierte Ansätze - auch wenn sie potenziell nützlich sind - mit Vorsicht eingesetzt werden, da sie möglicherweise nicht vollständig auf die relationale Natur der Einsamkeit eingehen, insbesondere bei älteren Erwachsenen.

Die klinischen Auswirkungen gehen über das psychosoziale Wohlbefinden hinaus. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Einsamkeit biologische und verhaltensbezogene Signalwege beeinflussen kann, die für den Verlauf der Krebserkrankung von Bedeutung sind, darunter Immunfunktion, Entzündung und Therapietreue.

Aus diesem Grund empfiehlt der Konsens, dass künftige Forschungsarbeiten die Interventionen nicht nur im Hinblick auf das Wohlbefinden der Patienten, sondern auch anhand klinischer Endpunkte wie Lebensqualität, Symptombelastung, Therapietreue und Überleben bewerten.

Eine weitere wichtige Dimension ist die gesundheitliche Chancengleichheit. Experten haben festgestellt, dass ältere Erwachsene, die in Armut oder in ländlichen und abgelegenen Gebieten leben, besonders anfällig für Einsamkeit sind. Strukturelle Hindernisse wie begrenzter Zugang zur Gesundheitsversorgung, Transportschwierigkeiten und eingeschränkte Ressourcen in der Gemeinde können die Isolation verschärfen und die Krebsbehandlung erschweren.

Letztendlich unterstreicht der Konsens die Notwendigkeit, soziale Beziehungen in die onkologische Versorgung einzubinden. Da Krebs zunehmend zu einer chronischen Erkrankung wird, die über Jahre hinweg behandelt wird, ist die Berücksichtigung der emotionalen und relationalen Bedürfnisse älterer Erwachsener von entscheidender Bedeutung für eine wirklich patientenzentrierte Versorgung.

Take-Home Messages

  • Einsamkeit ist weit verbreitet und klinisch relevant
    Bis zu einem Drittel der älteren Erwachsenen leidet unter Einsamkeit, die das psychosoziale Wohlbefinden, die Therapietreue und möglicherweise die Überlebenschancen verschlechtern kann.
  • Bewertung sollte früh beginnen
    Das Screening auf Einsamkeit sollte idealerweise zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose erfolgen und multidisziplinäre Teams einbeziehen.
  • Menschliche Beziehungen sind am wichtigsten
    Gemeinschaftsbasierte Massnahmen - Selbsthilfegruppen, Hausbesuche, Beratung und Programme zur sozialen Einbindung - sind derzeit die vielversprechendsten Strategien.
  • Einsamkeit wirkt sich auf klinische Ergebnisse aus
    Künftige Forschungsarbeiten sollten Interventionen anhand von Endpunkten wie Lebensqualität, Symptombelastung, Therapietreue und Überleben bewerten.
  • Eine neue Priorität für die geriatrische Onkologie
    Das Erkennen und Behandeln von Einsamkeit sollte zu einem Routinebestandteil der umfassenden Krebsbehandlung älterer Erwachsener werden.

Clinique de Genolier

Dr. med. Matti Aapro

Spezialisierung
Krebstherapien und Onkologie
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