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Centromedico Bellinzona Castello – ambulantes Operationszentrum von Swiss Medical Network
24.06.2026

Weniger Spitalaufenthalte, bessere Versorgung – das neue ambulante Operationszentrum in Bellinzona

Mit dem Centromedico Bellinzona Castello bringt Swiss Medical Network die erste private ambulante chirurgische Einrichtung in den Sopraceneri – und setzt ein Zeichen für die Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Schweiz.

Im Herzen von Bellinzona, unweit der UNESCO-Welterbe-Burgen, hat Swiss Medical Network ein neues Gesundheitszentrum eröffnet: das Centromedico Bellinzona Castello. Auf rund 2.500 Quadratmetern vereint die vollständig renovierte Liegenschaft Orthopädie, Augenheilkunde, Radiologie und Physiotherapie unter einem Dach – und schliesst damit eine wichtige Versorgungslücke in der Region.

Die erste ambulante Operationseinrichtung im Sopraceneri

Das Herzstück des Zentrums sind zwei ambulante Operationssäle im Erdgeschoss – die ersten dieser Art im Sopraceneri. Darüber befinden sich Facharztpraxen, ein Radiologieinstitut sowie ein Physiotherapiezentrum mit Blick auf die historischen Burgen. Ergänzt wird das Angebot durch Swiss Visio Bellinzona, den ersten Tessiner Standort des Augenheilkunde-Netzwerks der Gruppe, mit medizinischen und chirurgischen Behandlungen für alle Augenerkrankungen einschliesslich refraktiver Laserchirurgie.

Das Zentrum beherbergt ausserdem Ars Medica Bellinzona, den ambulanten Standort der Clinica Ars Medica in Gravesano, spezialisiert auf Orthopädie und ambulante orthopädische Chirurgie.

Ambulant vor stationär: ein struktureller Wandel

Die Eröffnung kommt nicht zufällig. Das Schweizer Gesundheitssystem befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Der Grundsatz «ambulant vor stationär» gilt heute als Leitprinzip: Eingriffe, die ohne Sicherheitsrisiko ambulant durchgeführt werden können, sollen es auch. Der Bundesrat hat die Liste der entsprechend erstattungspflichtigen Eingriffe seit 2019 von 6 auf 18 Gruppen ausgeweitet – Tendenz steigend.

Trotzdem liegt die Schweiz im europäischen Vergleich noch zurück: Nur rund 20 % der geeigneten chirurgischen Eingriffe werden hierzulande ambulant durchgeführt, gegenüber rund 60 % in den nordischen Ländern und einem europäischen Durchschnitt von etwa 50 %.

Der Grund liegt in einem jahrelangen strukturellen Fehlanreiz: Ambulante Behandlungen wurden vollständig über die Krankenkassenprämien finanziert, stationäre Aufenthalte hingegen zu mindestens 55 % durch die Kantone. Ein klinisch weniger komplexer Eingriff belastete die Prämienzahlenden damit paradoxerweise stärker als ein Spitalaufenthalt.

EFAS korrigiert die Schieflage

Die EFAS-Reform (Einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen), vom Schweizer Stimmvolk am 24. November 2024 mit 53,3 % angenommen, schafft diese Asymmetrie ab. Ab dem 1. Januar 2028 werden ambulante und stationäre Leistungen nach einem einheitlichen Schlüssel finanziert: Die Kantone übernehmen mindestens 26,9 %, die Krankenkassen höchstens 73,1 %. Ziel ist es, falsche Anreize zu beseitigen und unnötige Spitalaufenthalte zu vermeiden.

Was das Tessin bereits zeigt

Das Tessin hat nicht auf 2028 gewartet. Ein Pilotprojekt mit dem EOC und HSK (Helsana-Sanitas-KPT) hat konkret belegt, was möglich ist: Durch die Verlagerung geeigneter Eingriffe in den ambulanten Bereich erzielte der Kanton Einsparungen von rund einem Fünftel gegenüber den Kosten stationärer Behandlungen – bei gleichwertiger Versorgungsqualität.

Integrierte Versorgung aus einer Hand

Das Centromedico Bellinzona Castello folgt einem klaren Prinzip der Kontinuität: Der Patient durchläuft denselben Behandlungspfad unter einem Dach – vom Eingriff im Operationssaal im Erdgeschoss über die fachärztliche Kontrolle im zweiten Stock bis zur Rehabilitation im Physiotherapiezentrum im dritten Stock. Die Diagnostik erfolgt intern, der Zugang zum Operationsblock direkt.

Das Modell fügt sich in das Rete Sant'Anna ein, die kantonale Plattform für integrierte Versorgung im Tessin, die Spitäler, Fachzentren und ambulante Dienste koordiniert. Das gemeinsame Ziel: ungerechtfertigte Spitalaufenthalte reduzieren – nicht durch Leistungsabbau, sondern durch den Aufbau wohnortnaher, hochwertiger Alternativen.

Nähe als systemischer Vorteil

Bisher mussten Bewohnerinnen und Bewohner des Sopraceneri für ambulante Eingriffe nach Lugano oder ins öffentliche Spital fahren. Das Zentrum in Bellinzona schliesst diese Lücke. Wer wohnortnah behandelt wird, verliert weniger Arbeitstage, bindet das familiäre Umfeld weniger ein und nimmt Kontrolltermine konsequenter wahr – alles Faktoren, die das Gesamtkosten-bild des Gesundheitssystems beeinflussen.

Ein Modell für die Zukunft

Mit dem Inkrafttreten von EFAS 2028 und der schrittweisen Erweiterung der obligatorischen ambulanten Eingriffe wird sich das Schweizer System strukturell in eine Richtung entwickeln, die Bellinzona bereits eingeschlagen hat. Das Centromedico Bellinzona Castello zeigt: Kosten senken und Qualität verbessern schliessen sich nicht aus. Es braucht dafür die richtigen Strukturen – und den Mut, in sie zu investieren.

Quellen: Swiss Medical Network, Bundesamt für Gesundheit (BAG), EOC – Kantonsspital Tessin, H+ Die Schweizer Spitäler, santésuisse.

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