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19.08.2026

Vom Spital zum Netz: Versorgung neu gedacht

Im Aare-Netz wird das Spital Zofingen zum Herz einer integrierten Versorgungsregion über drei Kantone hinweg. Direktor Cédric Bossart und Stv. Béatrice Gass denken die Versorgung neu. 

Das folgende Interview ist im Magazin Competence von H+ erschienen. 

Die Befragten

Cédric Bossart, Regionaldirektor Mittelland, Direktor Spital Zofingen

Béatrice Gass, Stv. Direktorin Spital Zofingen, CFO/HR-Leitung, Direktorin Privatklinik Villa im Park

Was ändert sich grundlegend, wenn aus einem Spital ein Netz wird?

Cédric Bossart: Wir hören auf, in Mauern und Abteilungen, also Silos, zu denken, und denken in Behandlungspfaden. Das Spital ist nicht mehr nur der Ort für den Notfall, sondern ein Knotenpunkt: Im Zentrum steht die Hausarztmedizin, die Altersmedizin gewinnt an Gewicht und das Spital sichert den Zugang zu den Spezialist:innen. Drumherum besteht ein starkes Partnernetzwerk.

Béatrice Gass: Für die Teams heisst das: Wir fragen nicht mehr «Was macht unsere Abteilung?», sondern «Was brauchen Patient:innen als nächstes – und wer im Netz macht es am besten?» Ein Beispiel ist unser Projekt Hospital@Heim: Akute Verschlechterungen wollen wir wenn möglich vor Ort behandeln statt zu verlegen – in unserem Pflegezentrum auf dem Campus oder gemeinsam mit Partnerheimen. So bleibt älteren Menschen, was sie am meisten brauchen: Vertrautheit und Stabilität.

Die Bevölkerung wird älter. Wie hält ein Netz die Versorgung zusammen?

Béatrice Gass: Gerade ältere, mehrfach erkrankte Menschen verlieren im fragmentierten System schnell den Überblick. Hier setzt die persönliche Gesundheitskoordinatorin an: Sie organisiert Termine, koordiniert Überweisungen und sorgt dafür, dass Informationen zwischen Hausarzt, Spital, Spitex und Therapie fliessen – eine feste Ansprechperson, die den Überblick behält. Das entlastet auch die Hausarztmedizin spürbar.

Cédric Bossart: Sie ist zugleich unsere pragmatische Antwort auf die Digitalisierung. Wir warten nicht auf die perfekte IT-Lösung, die es nicht gibt, sondern investieren dort, wo es Wirkung zeigt. Wo Systeme noch nicht durchgängig vernetzt sind, schliesst der Mensch die Lücke.

Wie tragen eigenständige Partner über Kantonsgrenzen gemeinsam Verantwortung?

Cédric Bossart: Mit dem eigenen Grundversicherungsprodukt VIVA: Nicht die Menge der Leistungen zählt, sondern das Ergebnis für die Patient:innen. So wird Wirtschaftlichkeit zum Treiber sinnvoller statt maximaler Medizin.

Béatrice Gass: Verbindlichkeit entsteht aber nicht nur über Verträge, sondern über Vertrauen und gemeinsame Abläufe. Die Hausärzt:innen bleiben die zentrale Bezugspersonen – unsere Spezialist:innen bringen ihre Expertise genau dort ein, wo sie den Unterschied macht.

Sie arbeiten sehr nah mit den Abteilungen und sind direkt in viele Projekte involviert – wieso?

Béatrice Gass: Eine Transformation lässt sich nicht vom Schreibtisch aus steuern. Der enge Austausch mit den Abteilungen ist zentral, um Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Daher stehen wir regelmässig in Kontakt mit den Abteilungsleitungen – etwa wenn es um die Bettenbelegung geht. So können wir rasch reagieren, pragmatische Entscheidungen treffen und gemeinsam effiziente Lösungen finden.

Cédric Bossart: Die Transformation muss von der Führung selbst getragen werden. Bestimmte Führungsrollen müssen sich weiterentwickeln: dadurch ergeben sich mehr dezentrale und patientennahe Entscheidungsmacht sowie mehr Gestaltungsspielraum. Die Führung, also unser Kader, hat eine koordinierende Funktion inne, alle gewinnen mehr Verantwortung für die Qualität, die Kosten und das Ergebnis. Nur mit der Unterstützung unserer Mitarbeitenden können wir unsere Ziele erreichen.