Von Dr. Rahel Sahli, Endokrinologin, Ärztezentrum Ittigen
Testosteron ist eines der meistdiskutierten Hormone überhaupt – und gleichzeitig eines der am häufigsten missverstandenen. In sozialen Medien kursieren Versprechen von Wunderpräparaten, auf YouTube erklären Influencer, wie man seinen Spiegel «natürlich boosten» kann, und in Fitnessstudios flüstert man sich Tipps zu. Was ist dran? Ich war kürzlich beim nationalen SRF-Puls-Chat zu Gast und habe die häufigsten Fragen der Schweizer Bevölkerung beantwortet.
In diesem Artikel räumen wir mit den häufigsten Mythen rund um Testosteron auf und zeigen, was wissenschaftlich belegt ist – und was nicht.
Dieser Mythos hält sich hartnäckig – besonders in bestimmten Fitness-Communities. Die Befürchtung: Phytoöstrogene in Soja würden den Testosteronspiegel senken und Männer «verweiblichen».
Was die aktuelle Datenlage zeigt: Ein moderater Konsum von Sojaprodukten führt beim Mann nicht zu einer relevanten Reduktion des Testosteronspiegels. Nur bei extremen, weit über dem Normalen liegenden Aufnahmemengen wären theoretisch hormonelle Effekte denkbar – die in der realen Ernährung kaum eine Rolle spielen. Im Gegenteil: Es gibt sogar Hinweise, dass regelmässiger Sojakonsum mit einem geringeren Risiko für Prostatakrebs assoziiert sein könnte.
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