Auch das fünfte Symposium zur nachhaltigen Gesundheitsversorgung in Locarno war ein grosser Erfolg
Locarno, 8. August 2026 – Das Swiss Medical Network veranstaltete am Samstag, dem 8. August 2026, im Palacinema in Locarno in Zusammenarbeit mit dem Locarno Film Festival das 5. Locarno-Symposium zum Thema „Nachhaltiges Gesundheitswesen“.
Anlässlich des 79. Filmfestivals von Locarno bestätigt sich das 5. Symposium über nachhaltige Gesundheitsversorgung des Swiss Medical Network als wichtige Veranstaltung zur Förderung des Dialogs zwischen Gesundheitswesen, Forschung, Institutionen und Gesellschaft. Die Ausgabe 2026 brachte Vertreter aus Wissenschaft, Institutionen und Berufsverbänden aller Sprachregionen der Schweiz zusammen und befasste sich eingehend mit den wichtigsten Herausforderungen des Gesundheitssystems, wobei der Schwerpunkt auf Versorgungsqualität, Forschung, translationaler Medizin und Innovation lag. So wurde ein konkreter Austausch über Strategien für ein immer effektiveres, nachhaltigeres und patientenorientiertes Gesundheitswesen gefördert.
Nach den Begrüßungsreden des Präsidenten des Swiss Medical Network Raymond Loretan und des Vizepräsidenten des Locarno Film Festivals Luigi Pedrazzini bot das Symposium eine Reflexion über die dreißigjährige Geschichte des KVG und analysierte dessen Auswirkungen auf die Entwicklung des Schweizer Gesundheitssystems. Im Rahmen der Diskussion wurden die ursprünglichen Ziele des Gesetzes – der gesamte Bevölkerung durch eine obligatorische Krankenversicherung einen gerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung zu gewährleisten – mit den heutigen Herausforderungen in Verbindung gebracht, darunter der stetige Anstieg der Gesundheitskosten, die Alterung der Bevölkerung und die Notwendigkeit, Qualität, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit des Systems zu gewährleisten.
Im Mittelpunkt der ersten Sitzung stand die Versorgungsqualität, die als eine der Säulen eines modernen Gesundheitssystems anerkannt ist. Felix Schneuwly, Experte für Gesundheitspolitik und Head of Public Affairs bei Comparis, analysierte die wichtigsten Entwicklungen im Schweizer Gesundheitssystem und ging dabei insbesondere auf die Entwicklung der Krankenkassenprämien, den Anstieg der Gesundheitskosten, die Perspektiven der Grundversicherung sowie die Notwendigkeit ein, mehr Effizienz, Wettbewerb und Nachhaltigkeit zu fördern.
Yves Noël Balmer, Regierungsrat und Vorsteher des Departements für Gesundheit und Soziales des Kantons Appenzell Ausserrhoden, brachte eine institutionelle Perspektive ein und betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den Kantonen, der koordinierten Planung des Spitalangebots sowie der Qualität und Sicherheit der Versorgung in einem Umfeld, das durch wachsenden Kostendruck gekennzeichnet ist.
Um das Bild abzurunden, gab Kristian Schneider, Vizedirektor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), einen Überblick über die wichtigsten Veränderungen, die das Schweizer Gesundheitssystem derzeit prägen, und ging dabei auf die Perspektiven der Gesundheitspolitik des Bundes sowie auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Versorgungsqualität, der Nachhaltigkeit des Systems und der Fähigkeit ein, den künftigen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Dr. Alice Giese stellte die Erfahrungen des Kantons Zürich bei der Entwicklung von Programmen vor, die es ermöglichen, klinische Ergebnisse anhand gemeinsamer Indikatoren zu messen und so die kontinuierliche Verbesserung der Leistungen zu fördern. PD Dr. Olivier Giannini, Mitglied des Zentralvorstands der FMH, betonte, dass die Qualität der medizinischen Versorgung nicht als Endziel, sondern als kontinuierlicher Verbesserungsprozess betrachtet werden müsse. Er würdigte zwar das hohe Niveau der Medizin in der Schweiz, hob jedoch hervor, wie wichtig es sei, dieses durch qualifizierte Fachkräfte, gemeinsame Standards, eine effektive Koordinierung der Versorgung und eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und medizinischen Fachgesellschaften aufrechtzuerhalten. In diesem Zusammenhang wies er auch auf die Notwendigkeit hin, über zuverlässige und vergleichbare Daten zu verfügen sowie den Verwaltungsaufwand zugunsten der klinischen Tätigkeit zu reduzieren, und betonte den Wert koordinierter Initiativen zur Gewährleistung und ständigen Verbesserung der Versorgungsqualität.
Die Themen wurden anschliessend im Rahmen einer Podiumsdiskussion unter der Moderation der Journalistin Christine Maier erörtert.
Der zweite Teil des Nachmittags war der Forschung und Innovation gewidmet. Die Professoren Stefan Felder und Kaspar Wyss vom Basel Center for Health Economics der Universität Basel stellten die ersten Ergebnisse der Evaluation des „Réseau de l’Arc“ vor, eines Modells der integrierten Versorgung, das die Arbeit von Ärzten, Spitälern und anderen Gesundheitsfachkräften koordiniert, mit dem Ziel, die Kontinuität der Versorgung, die Patientenergebnisse und die Effizienz bei der Ressourcennutzung zu verbessern.
Viel Raum wurde der personalisierten Medizin in der Onkologie eingeräumt. Prof. Lana E. Kandalaft, Chief of Clinical and Translational Research beim Swiss Medical Network, erläuterte die neuesten Entwicklungen bei personalisierten therapeutischen Impfstoffen gegen Krebs – eine innovative Strategie, die die genetischen Merkmale des Tumors jedes einzelnen Patienten nutzt, um das Immunsystem dazu anzuregen, Krebszellen selektiv zu erkennen und zu bekämpfen. Diese Impfstoffe befinden sich noch in der klinischen Entwicklungsphase und stellen eine der vielversprechendsten Perspektiven der Präzisionsmedizin dar.
Anschließend ging Prof. Nicole Wenderoth von der ETH Zürich näher auf das Konzept der translationalen Medizin ein und erläuterte, wie die enge Zusammenarbeit zwischen Forschungslabors, Universitäten, der Industrie und Krankenhäusern es ermöglicht, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in neue Diagnosetechnologien, Therapien und klinische Instrumente zum Wohle der Patienten umzusetzen.
Die der Forschung gewidmete Sitzung endete mit einer Podiumsdiskussion, an der die Referenten gemeinsam mit Prof. Dr. med. Oscar Matzinger, Chief Medical Officer des Swiss Medical Network, teilnahmen und Überlegungen zur Rolle der Zusammenarbeit zwischen Forschung, Klinik und Institutionen anstellten, um Innovationen zu beschleunigen und die zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen.
Abschließend betonte Dino Cauzza, CEO von Swiss Medical Network, wie wichtig es sei, den Qualitätsdialog in einen konkreten und gemeinsamen Prozess umzuwandeln, der auf der Messung von Ergebnissen und einem Bottom-up-Ansatz beruht und Ärzte, Krankenhäuser, Kantone sowie alle Akteure des Systems einbezieht. Zudem verwies er auf die Rolle der angewandten Forschung – auch wenn diese weniger sichtbar ist – als Instrument zur Entwicklung effizienterer und nachhaltigerer Behandlungsmethoden und betonte die Verantwortung des Privatsektors, diese zu unterstützen. In diesem Zusammenhang hob er die Notwendigkeit hervor, Anreize zu schaffen, die mit den Zielen Qualität, Angemessenheit und Innovation im Einklang stehen, und stellte fest, dass die derzeitigen Finanzierungsmechanismen diese Ausrichtung bereits begünstigen können. Das Symposium endete daher mit der Aufforderung, den Dialog fortzusetzen und gemeinsame Leitlinien zu erarbeiten, um die zukünftigen Herausforderungen des Schweizer Gesundheitssystems zu bewältigen.
Der Termin für 2027 ist für Samstag, den 7. August 2027, vorgesehen.