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Cauda-equina-Syndrom: Wenn Lumbalischialgie zum Notfall wird

Herausgegeben von der Praxis Dr. Robert & Dr. Bonasia

Rückenschmerzen und Ischias gehören zu den häufigsten Gründen für einen Besuch beim Hausarzt. In den meisten Fällen handelt es sich um harmlose Beschwerden, die zunächst konservativ behandelt werden können. Es gibt jedoch Situationen, in denen Rückenschmerzen oder radikuläre Schmerzen schnell als möglicher neurochirurgischer Notfall erkannt werden müssen.

Eine davon ist das Caud-Equina-Syndrom.

Was ist das Cauda-equina-Syndrom?

Die Cauda equina ist die Gesamtheit der lumbalen und sakralen Nervenwurzeln, die sich im unteren Teil des Wirbelkanals befinden.

Eine akute Kompression dieser Nervenwurzeln kann zu erheblichen neurologischen Störungen führen, insbesondere in Bezug auf die Empfindlichkeit im Perinealbereich, die Harn-, Darm- und Sexualfunktion sowie die Kraft in den unteren Gliedmaßen.

Die häufigste Ursache ist ein voluminöser Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich, aber das Cauda-equina-Syndrom kann auch durch schwere Stenosen, Tumore, Infektionen, Hämatome oder Traumata verursacht werden.

Warum ist eine frühzeitige Erkennung wichtig?

Das Cauda-equina-Syndrom ist selten, aber potenziell schwerwiegend.

Das Hauptproblem ist das Risiko bleibender Funktionsstörungen, vor allem bei der Blasen-, Darm-, Sexual- und Bewegungsfunktion. Aus diesem Grund sind das frühzeitige Erkennen der Symptome und die rasche Durchführung einer MRT der Lendenwirbelsäule entscheidend.

Internationale Leitlinien sind sich einig, dass bei klinischem Verdacht die MRT dringend durchgeführt werden muss. Die Diagnose darf nicht auf einem einzigen klinischen Anzeichen beruhen, da die Symptome unvollständig oder erst im Anfangsstadium auftreten können.

Symptome, auf die man aktiv achten sollte

Das Cauda-equina-Syndrom kann sich deutlich zeigen, aber auch mit eher unauffälligen Anfangssymptomen auftreten. Daher ist es wichtig, gezielte Fragen zu stellen, vor allem bei Patienten mit schwerer, beidseitiger Lumbalischialgie oder solcher, die mit neurologischen Ausfällen einhergeht.

  • Die wichtigsten Symptome, auf die man achten sollte, sind:
  • starke Lendenschmerzen, oft verbunden mit Ischialgie;
  • beidseitige Ischialgie oder Schmerzen, die in beide Beine ausstrahlen;
  • Empfindungsstörungen im Perinealbereich oder „sattelartige“ Empfindungsstörungen;
  • Schwierigkeiten beim Beginn des Wasserlassens;
  • verminderte Empfindlichkeit beim Wasserlassen;
  • Harnverhalt oder Inkontinenz;
  • neu auftretende Darmbeschwerden;
  • Störungen der Sexualfunktion;
  • fortschreitende Schwäche in den unteren Extremitäten.

Die aussagekräftigsten Symptome sind die Kombination aus Harn- oder Darmbeschwerden, einer veränderten Empfindlichkeit im Perinealbereich und radikulären Schmerzen, vor allem wenn diese beidseitig auftreten. Aktuelle Empfehlungen betonen, dass auch subjektive Symptome, selbst wenn keine eindeutigen objektiven Anzeichen vorliegen, eine dringende MRT rechtfertigen können.

Achtung: Warte nicht auf eine vollständige Harnverhaltung

Ein häufiger Fehler ist es, das Auftreten einer vollständigen Harnverhaltung abzuwarten, bevor man den Patienten überweist.

Tatsächlich kann das Cauda-equina-Syndrom mit eher unauffälligen Symptomen beginnen:

schwächerer Harnstrahl;

Notwendigkeit, beim Wasserlassen zu pressen;

Gefühl einer unvollständigen Entleerung;

verminderte Wahrnehmung des Harnabflusses;

veränderte Empfindlichkeit im Genital- oder Perinealbereich.

Diese Symptome müssen ernst genommen werden, vor allem, wenn sie bei einem Patienten mit akuten Rückenschmerzen, Ischialgie oder neurologischen Ausfällen in den unteren Extremitäten auftreten.

Klinische Untersuchung: hilfreich, aber nicht ausreichend

Die neurologische Untersuchung muss Kraft, Sensibilität, Reflexe und die Ausbreitung der radikulären Schmerzen beurteilen.

Es ist wichtig, nach fortschreitenden motorischen Ausfällen, sensorischen Veränderungen an den unteren Extremitäten und Störungen der perinealen Sensibilität zu suchen.

Allerdings lässt sich durch eine scheinbar unauffällige klinische Untersuchung ein beginnendes Cauda-equina-Syndrom nicht immer ausschließen. Die neuesten Leitlinien für die Primärversorgung empfehlen, sich nicht ausschließlich auf späte objektive Anzeichen oder einen einzelnen Test zu stützen, sondern die Gesamtheit der vom Patienten geschilderten Symptome zu berücksichtigen.

Wann sollte eine dringende MRT angefordert werden?

Die lumbale MRT ist die Standarduntersuchung.

Sie muss dringend angefordert werden, wenn Lumbalgie oder Lumbosciatalgie mit folgenden Symptomen einhergeht:

neu auftretende Harn- oder Stuhlstörungen;

Veränderungen der perinealen, genitalen oder „sattelartigen“ Empfindlichkeit;

beidseitiger Ischialgie;

fortschreitendem motorischen Defizit;

einem sich rasch verschlimmernden neurologischen Bild.

Bei klinischem Verdacht sollte der Patient in eine Notaufnahme oder eine Einrichtung überwiesen werden, die eine dringende MRT durchführen und rasch eine neurochirurgische Beurteilung einleiten kann.

Die Behandlung

Wenn die MRT eine signifikante Kompression der Cauda equina bestätigt, erfolgt die Behandlung in der Regel operativ.

Das Ziel ist es, die Nervenwurzeln schnell zu entlasten und die Ursache der Kompression zu beseitigen, zum Beispiel einen großen Bandscheibenvorfall oder eine schwere Stenose.

Die Operation zielt darauf ab, das Fortschreiten der neurologischen Schädigung zu stoppen und, wenn möglich, die Wiederherstellung der beeinträchtigten Funktionen zu fördern. Der Grad der Genesung kann variieren und hängt vor allem vom Schweregrad und der Dauer der Symptome vor der Dekompression ab. Internationale neurochirurgische Empfehlungen sehen die chirurgische Dekompression als Hauptbehandlung in MRT-bestätigten Fällen vor.

Die Rolle des Hausarztes

Der Hausarzt spielt eine zentrale Rolle bei der Früherkennung.

Viele Patienten mit Lumbalischialgie werden zunächst außerhalb des Krankenhauses untersucht. In diesem Zusammenhang ist es am wichtigsten, eine gewöhnliche Ischialgie von einem möglichen beginnenden Cauda-equina-Syndrom zu unterscheiden.

Dies erfordert gezielte Fragen, da der Patient möglicherweise nicht von sich aus über Harn-, Darm- oder sexuelle Störungen oder Veränderungen der perinealen Sensibilität berichtet.

Im Zweifelsfall ist es sicherer, einen Notfallpfad einzuleiten, als den Verlauf abzuwarten.

Praktische Hinweise für den überweisenden Arzt

  • Denke an ein Cauda-equina-Syndrom bei Lumbalgie oder Lumbosciatalgie in Verbindung mit Harn-, Darm-, sexuellen oder perinealen Empfindungsstörungen.
  • Warte nicht auf eine vollständige Harnverhaltung: Schon eine Veränderung des Harnstrahls, der Blasenentleerung oder der Empfindlichkeit beim Wasserlassen kann relevant sein.
  • Eine beidseitige Ischialgie, insbesondere wenn sie mit motorischen Ausfällen oder Empfindungsstörungen einhergeht, muss als Alarmsignal gewertet werden.
  • Die „sattelartige“ Empfindungsstörung ist ein Schlüsselsymptom und muss aktiv abgeklärt werden.
  • Bei Verdacht muss der Patient dringend zur Lendenwirbelsäulen-MRT und zur neurochirurgischen Abklärung überwiesen werden.
  • Eine scheinbar unauffällige klinische Untersuchung schließt eine beginnende Cauda equina nicht immer aus.
  • Zeit ist ein wichtiger Prognosefaktor: Eine frühzeitige Überweisung kann das Risiko bleibender Ausfälle verringern.

Unsere Referenten

Clinica Ars Medica

PD Dr. med. Thomas Robert

Spezialisierung
Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie
Clinica Ars Medica

Dr. med. Sara Bonasia

Spezialisierung
Neurochirurgie, Wirbelsäulenchirurgie