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17.06.2026

Aktuelle Forschungsbereiche – Zelltherapien

Die 2006 gegründete Swiss Stem Cell Foundation (SSCF) hat sich als wichtiger Akteur im Bereich der gemeinnützigen wissenschaftlichen Forschung etabliert und verfolgt dabei eine klare Mission: die Lücke zwischen Laborentdeckungen und der medizinischen Praxis zu schliessen. Seit fast zwei Jahrzehnten widmet sich die Stiftung der angewandten und klinischen Forschung und ist bestrebt, innovative Methoden zu entwickeln, die die Patientenversorgung unmittelbar verbessern.

Das Jahr 2025 markierte einen bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte der Stiftung, der durch eine umfassende strategische Umstrukturierung gekennzeichnet war, die auf die Stärkung dieses Auftrags abzielte. Diese Entwicklung wurde durch die Ernennung eines neuen CEO und die Aufnahme eines engagierten Spezialisten für regulatorische Angelegenheiten in das Kernteam vorangetrieben. Diese wichtigen Veränderungen in der Führung haben der SSCF neue Energie verliehen und ein dynamisches Umfeld geschaffen, das auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet ist. Diese neue Führungsstruktur lieferte den notwendigen Impuls, um den Ansatz der Stiftung bei der Finanzierung und der Einreichung von Förderanträgen weiterzuentwickeln. Diese strategische Kompetenz war bereits durch die Einstellung eines spezialisierten Postdoktoranden im Jahr 2024 fest verankert worden, dessen Fachwissen die Grundlage für wissenschaftliches Schreiben auf hohem Niveau schuf.

Das neue Institut für Regenerative Medizin in Lugano

Das neue SSCF-Institut für Regenerative Medizin ist ein hochmodernes Zentrum für angewandte Forschung, das sich vorrangig auf stammzellbasierte Therapien konzentriert. Das Gebäude befindet sich im Spitalviertel von Lugano und dient als Dreh- und Angelpunkt für die Entwicklung angewandter Forschung und Ausbildung im Bereich der Stammzellen, einem der Kernbereiche der SSCF.

Das angewandte Forschungslabor innerhalb des Instituts soll dieses zum Kernstück einer globalen Vision in der Biomedizin machen, in der Forscher, Ärzte und Ingenieure Projekte im Bereich der Stammzellen entwickeln können.

Das neue Institut erstreckt sich über vier Etagen und umfasst insgesamt 3.500 Quadratmeter. Im Erdgeschoss befinden sich die Labore und Reinräume für die Herstellung von Produkten der regenerativen Medizin sowie die neue Kryobank. In der ersten Etage sind die Forschungslabore und Büros des SSCF untergebracht. Die dritte Etage ist für Biotechnologie-Start-ups vorgesehen, und in der vierten Etage befinden sich Arztpraxen und Kliniken für die direkte Anwendung der Therapien.

Abgerundet wird die Anlage durch zwei Besprechungsräume mit jeweils 50 Plätzen und einen Konferenzraum mit 100 Plätzen und Blick auf die Stadt Lugano.

Antragstellung: Förderungsberechtigung beim Schweizerischen Nationalfonds und bei Innosuisse

Das Jahr 2025 markierte einen bedeutenden Meilenstein in den Bemühungen des SSCF um die Einwerbung von Fördermitteln. Unsere Forscher haben erfolgreich die Akkreditierung als Forschungspartner beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und bei Innosuisse erhalten. Diese Anerkennung ermöglicht die vollständige finanzielle Unterstützung des Projekts durch beide Einrichtungen. Die Ergebnisse dieses Projekts werden die Forschungsaktivitäten der Stiftung erheblich verbessern und die Datenerhebung für die Entwicklung neuer Prozesse und Produkte erleichtern.

Darüber hinaus hat die Schweizerische Eidgenossenschaft ein Abkommen mit der Europäischen Union unterzeichnet, das Schweizer Einrichtungen die Möglichkeit zur Teilnahme am Horizon-Projektantrag gewährt. Schliesslich führt die SSCF aktive Gespräche mit privaten Unternehmen, um die Bereitstellung von Validierungsdienstleistungen und GMP-Beratung sicherzustellen. Die SSCF begrüsst neue Kooperationen, um die Einreichung von Förderanträgen abzuschliessen. Diese Initiative zielt darauf ab, die wissenschaftliche Forschung im Bereich der regenerativen Medizin zu fördern.

Eine Liste der im Jahr 2025 vorgestellten Projekte:

1. CD38 studies (SNSF)

Startzuschuss (Januar 2025), Brückenprojekt zur Machbarkeitsprüfung (März 2025). Diese Projekte untersuchen das Verhalten von CD38 in aus Fettgewebe gewonnenen Stammzellen (ASCs) bei unterschiedlichen Temperaturen, mit dem Ziel zu verstehen, wie Zellen den Einfrierprozess überstehen und ihre regenerativen Fähigkeiten bewahren. Das ultimative Ziel besteht darin, die Signalwege zu identifizieren, die das Überleben und die Funktionsfähigkeit der Zellen nach der Kryokonservierung ermöglichen.

2. SUST-STAM (Interreg – June 2025)

Dieses 30-monatige Projekt zielt darauf ab, ein grenzüberschreitendes Ökosystem für die stammzellbasierte regenerative Medizin aufzubauen. Es unterstützt Start-ups und bindet Forscher, Kliniker und Unternehmen ein, um lokale Innovationen zu fördern und GMP-konforme Ergebnisse zu erzielen. Das Projekt bietet Zugang zu Labors, Bioreaktoren, Reinräumen, Gemeinschaftsräumen, Unterstützung bei der Validierung sowie Beratung zu Geschäftsmodellen und Investitionen. Darüber hinaus fördert das Netzwerk die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur, eine stabile Zusammenarbeit und die Fortbildung des Personals.

Das Projekt sieht ein Netzwerk vor, das aus SSCF (Schweiz), SUPSI (Schweiz), EOC (Schweiz), der Università degli Studi dell’Insubria (Italien), der Università del Piemonte Orientale (Italien), Fondazione Istituto Insubrico di Ricerca per la Vita – FIIRV (Italien) und HETA RES SRL (Italien). Die Entscheidung über die Finanzierung wird bis Ende 2025 getroffen.

3. Amniotic membrane studies (SNSF Bridge Proof of Concept – June 2025)

Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung eines standardisierten, zellfreien therapeutischen Produkts auf der Basis menschlicher Amnionmembran, das speziell für die Behandlung chronischer Wunden und die Regeneration der Augenoberfläche bestimmt ist. Durch den Einsatz eines innovativen Stabilisierungsverfahrens und einer automatisierten Gewebeaufbereitung bewahrt das Produkt die der Membran eigenen regenerativen Eigenschaften und gewährleistet gleichzeitig Konsistenz, Skalierbarkeit sowie die Möglichkeit der Lagerung bei Raumtemperatur.

4. AutoMATeD (Horizon – September 2025)

Dieses Horizon-Projekt unter der Leitung von P.B.L. SRL, einem italienischen Unternehmen, das das Kernstück des Projekts entwickelt hat, zielt darauf ab, den GMP-Herstellungsprozess vollständig zu automatisieren. Obwohl das Gerät, ein automatisierter Isolator, eine erhebliche Investition darstellt, wird es als langfristiges strategisches Projekt betrachtet. Sein hoher Automatisierungsgrad wird den manuellen Arbeitsaufwand minimieren, und die SSCF könnte das System in ihrem neuen Institut für Regenerative Medizin in Lugano installieren.

Das Projekt sieht ein Kooperationsnetzwerk vor, an dem SSCF (Schweiz), P.B.L. SRL (Italien), Hemera Srl (Italien), Établissement Français du Sang (Frankreich) und das Istituto Romagnolo per lo Studio dei Tumori Dino Amadori – IRST S.r.l. (Italien). Die Entscheidung über die Finanzierung wird im ersten Quartal 2026 fallen.

5. The Dual Role of Peripheral Prostate Adipose Tissue (PPAT) in Urological Malignancies

Johnson & Johnson Foundation (Okt. 2025); Swiss Cancer Research (Dez. 2025). Ziel der Stiftung ist es, eine neuartige therapeutische Plattform zu etablieren, die die Behandlung von Prostata- und Blasenkrebs verbessert – zwei weit verbreitete und klinisch komplexe urologische Krebserkrankungen. Die Methode nutzt aus PPAT gewonnene Zellen als biologisch aktive Träger für Krebsmedikamente und wandelt so bisher inaktives Fettgewebe in einen aktiven Wirkstoff um.

6. AcTivita (Innosuisse – November 2025)

Ziel des Projekts ist es, Kosten und Produktionszeit durch die Entwicklung einer Closed-Loop-Plattform für die GMP-konforme Herstellung von CAR-T-Zellen zu minimieren. Dabei wird der Leukapherese-Beutel eines Patienten an die AcTivita-Plattform angeschlossen, die das Zellwachstum, die CAR-Einfügung und die Qualitätsbewertung ermöglicht. Anschliessend werden die gebrauchsfertigen CAR-T-Zellen für den Patienten in einem zweiten Beutel gesammelt. Das Projekt sieht ein Netzwerk vor, das aus SSCF, SUPSI, SSCB und AxCellerate Sagl besteht. Informationen zu den Ergebnissen werden bis Ende des Jahres veröffentlicht.

Organisation für die Entwicklung und Herstellung von Unternehmens- und Vertragsprodukten

Das SSCF bietet zudem CDMO-Dienstleistungen an und ist offen für Kooperationen mit privaten Unternehmen. Das SSCF ist speziell darauf ausgerichtet, umfassende Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Validierung und Entwicklung neuer Arzneimittel sowie von Arzneimitteln für neuartige Therapien (ATMPs) anzubieten.

Unsere Kernkompetenzen im Bereich der Validierung stellen sicher, dass alle Prozesse und Produkte strenge regulatorische und Qualitätsstandards erfüllen. Unsere Designkompetenz konzentriert sich auf die Etablierung effizienter und robuster Entwicklungswege für diese komplexen und innovativen Therapien. Darüber hinaus bietet das SSCF fachkundige Beratung zu verwandten Themen und nutzt dabei fundiertes Branchenwissen, um Partner und Kunden durch strategische Beratung, technische Problemlösung und effiziente Projektdurchführung über den gesamten Entwicklungszyklus hinweg zu unterstützen.

Nachfolgend finden Sie zwei konkrete Beispiele für die Zusammenarbeit, die das SSCF aufbauen konnte.

1. Stem Sel® (Unternehmen –2024/2025)

Das STEMSEL-Projekt, das im Januar 2026 beginnt und 18 Monate dauert, konzentriert sich auf den Einsatz von Celector, einem mikrofluidischen Gerät, das für die markierungsfreie Zellseparation, die Live-Zellbildgebung und die Zellgewinnung entwickelt wurde. Das System trennt Zellen effektiv anhand ihrer physikalischen Eigenschaften wie Grösse, Form und Dichte, wobei ihr physiologischer Zustand und ihr Regenerationspotenzial erhalten bleiben, da keine Immunmarkierung erfolgt.

Die Aufgabe der Stiftung wird es sein, das Stemsel-Protokoll auf GMP-Niveau zu bringen, um Zellen direkt aus einer kontrollierten medizinischen Umgebung an Patienten zu liefern. Nach der erfolgreichen biologischen Validierung im Jahr 2023, die die Fähigkeit des Geräts zur effektiven Trennung von Zellen ohne deren Manipulation nachwies, schreitet die Zusammenarbeit zwischen Stem Sel® S.r.l. und der Swiss Stem Cell Foundation nun auf ihren wichtigsten Meilenstein zu: die klinische Umsetzung.

Wir haben offiziell den Auftrag erhalten, die umfassende Validierung des Celector®-Geräts gemäss den Grundsätzen der Guten Herstellungspraxis (GMP) durchzuführen – ein anspruchsvoller Prozess, der voraussichtlich von Januar 2026 bis Juni 2027 dauern wird.

Diese neue Phase markiert den Übergang der Technologie von einem rein experimentellen Werkzeug zu einem medizinischen Instrument, das in der Lage ist, sichere, hochwertige Zellen für die Therapie am Menschen zu produzieren.

Während sich die anfängliche Forschung auf aus Fettgewebe gewonnene Stammzellen (die Stromal-Vascular-Fraktion) konzentrierte, wurde dieses Weiterentwicklungsprogramm erheblich erweitert und umfasst nun auch die Validierung von aus der Plazenta gewonnenen Zellen. Diese Erweiterung stellt eine entscheidende Entwicklung dar, da sie die potenziellen therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten des Geräts erweitert.

Im Laufe dieser achtzehn Monate wird unser Team daran arbeiten, strenge Sterilitätsprotokolle zu etablieren und den gesamten Trennungsprozess in unseren zertifizierten Reinräumen zu simulieren.Das ultimative Ziel besteht darin, der Zulassungsbehörde Swissmedic nachzuweisen, dass das Gerät diese empfindlichen Zellen allein anhand ihrer physikalischen Eigenschaften isolieren kann, wobei ihr natürliches Regenerationspotenzial erhalten bleibt und gleichzeitig die für die Patientenbehandlung erforderliche absolute Sicherheit und Sterilität gewährleistet wird.

2. White Nest (Unternehmen – 2025)

Das Projekt zielt darauf ab, allogenes plättchenreiches Plasma (PRP) aus Chargen von menschlichem Nabelschnurblut herzustellen. Der Industriepartner ist ein italienisches Unternehmen (White Nest), und das Projekt soll Anfang 2026 starten. Ein Nicht-GMP-Protokolltransfer von einem spanischen Unternehmen an unsere Stiftung ist für die ersten sechs Monate des Jahres 2026 geplant. Dies wird zwar keine vollständige industrielle Aufrüstung sein, stellt jedoch bereits eine Skalierung dar, und die Stiftung wird alle GMP-Protokolle entwickeln, die diese Skalierung ermöglichen.

Teilnahme an Kongressen und Veranstaltungen

Im vergangenen Jahr hat die SSCF ihre Präsenz in der Schweizer Wissenschaftslandschaft durch eine verstärkte Teilnahme an wichtigen Kongressen und Branchensymposien deutlich ausgebaut. Ein Eckpfeiler dieser strategischen Expansion war die Formalisierung unserer Mitgliedschaft in der Swiss MedTech Association.

Im Herbst und Winter 2025 leistete die SSCF einen aktiven Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs, indem sie ihre neuesten Forschungsergebnisse verbreitete und sowohl im Rahmen von Posterpräsentationen als auch in Vorträgen Daten zur Kryokonservierung von Stammzellen und zu regulatorischen Fortschritten vorstellte:

Lac Leman Regenerative Medicine Symposium

«Adipose Derived Stem Cells resist better to cryopreservation than whole stromal vascular cells: Highlighting CD38 implication.»

Roundtable: «Trends and Critical Issues in the MedTech Regulatory Sector»

Lugano, September 2025. Teilnahme an einer vom Schweizer MedTech-Verband, Sektion Tessin, organisierten hochrangigen Diskussionsrunde zum Thema «Die sich wandelnde regulatorische Landschaft».

National Regulatory Conference 2025

Bern, Oktober 2025. Teilnahme an der von Swiss MedTech organisierten Leitveranstaltung zum Thema Regulierung, um die Einhaltung nationaler, europäischer und internationaler Compliance-Standards sicherzustellen.

Regenerative Medicine Day 2025

Genolier, November 2025. Vertrat die Stiftung bei der vom Swiss Medical Network veranstalteten Fachtagung.

Das STEM-Restore T-Dossier

Im Rahmen des Zulassungsverfahrens für das STEM-Restore T-Dossier hat die Stiftung erhebliche Ressourcen bereitgestellt, um die von Swissmedic aufgeworfenen Fragen bezüglich der Marktzulassung dieses neuen Arzneimittels für neuartige Therapien (ATMP) sorgfältig zu bearbeiten. Um den strengen Anforderungen der Behörde vollständig gerecht zu werden, haben wir erfolgreich eine umfassende Validierungskampagne koordiniert und durchgeführt.

Diese Bemühungen umfassten die Ausarbeitung neuer Protokolle und die Durchführung umfangreicher Prozessvalidierungen zum Nachweis der Herstellungskonsistenz sowie strenge Validierungen der Analysemethoden, um die Robustheit unserer Testverfahren sicherzustellen. Nachdem wir die daraus resultierenden Daten in ein formelles Antwortpaket integriert haben, haben wir die erforderlichen Änderungen eingereicht und warten derzeit auf die offizielle Rückmeldung von Swissmedic zur Bewertung dieser Korrekturmaßnahmen. Die oben beschriebenen Tests sind als ein Schritt in Richtung der vollständigen Zulassung des ATMP gedacht, das vollständig von SSCF entwickelt wurde.

Tommaso Tramonte und Dr. Luca Mariotta
 

Swiss Medical Network veröffentlicht den Science & Innovation Report 2025 und den Science & Innovation Newsletter, Ausgabe Frühjahr 2026

Zelltherapien – Wichtigste Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Jahr 2025

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