Seit März 2025 arbeiten zertifizierte Orthopäden in der Rosenklinik mit dem Operationsroboter «VRAS». Dr. med. Dirk Lehnen führte vor einem Jahr den ersten Eingriff mit «VRAS» durch. Mittlerweile hat er über 120 Knieprothesenimplantationen mit dem neuen System vorgenommen. Im Interview blickt er zurück und zieht Bilanz.
Macht Technologie alles besser? Fakt ist: Medizinische Eingriffe werden zunehmend sicherer und effizienter, auch dank des technologischen Fortschritts. Vor allem KI und Assistenzroboter krempeln derzeit die Arbeit vieler Ärzte um. Eine besonders spannende Innovation ist das VELYS™ Robotic-Assisted Solution («VRAS») System von Johnson & Johnson. Der Operationsroboter wird in der Knieprothetik eingesetzt und verspricht eine noch präzisere Ausrichtung des künstlichen Gelenks.
2025 führte die Rosenklinik als fünfte Klinik von Swiss Medical Network den Operationsroboter ein. Der erste Eingriff wurde unter der Leitung von Dr. med. Dirk Lehnen durchgeführt. Im Interview erzählt der Orthopäde und Inhaber der Praxis OrthoBase von seiner Erfahrung mit dem neuen System und den Vorteilen, die er für Patienten und Ärzte sieht.
Dr. Lehnen: Ich habe seit Start im März 2025 bis heute über 120 roboterassistierte Knieprothesenimplantationen mit dem VELYS™-System durchgeführt.
Dr. Lehnen: Werden neue Operationsverfahren eingeführt, hat auch ein erfahrener Orthopäde eine gewisse Lernkurve. Durch die Herstellerfirma wurden wir allerdings optimal auf den neuen Roboter vorbereitet, zertifiziert und während der ersten Operationen begleitet, sodass ab dem ersten Eingriff sehr gute Ergebnisse erreicht werden konnten. Die Routine in der täglichen Anwendung kam nach ungefähr zwanzig Eingriffen. Dies lässt sich auch an immer kürzeren Operationszeiten messen.


Dr. Lehnen: Ich erkläre es meinen Patienten folgendermassen: Es ist wie Autofahren mit oder ohne moderne Navigationsgeräte. Autofahren kann man auch ohne, aber die Präzision und Vorhersagbarkeit sind deutlich besser und man kommt eher ohne Komplikationen ans Ziel. Im Klartext: Das System ermöglicht eine sehr individuelle und millimetergenaue Ausrichtung und Balancierung der Knieprothese. Jedes Knie ist anders und hat eine eigene Kinematik. Mit dem VELYS™-Roboter können wir in höchster Präzision darauf eingehen.
Dr. Lehnen: Für mich stehen die Zufriedenheit des Patienten und die Langlebigkeit der Versorgung im Vordergrund. Mit dem Roboter können wir viel genauer auf die individuelle Anatomie und Anforderungen eines Patienten eingehen. Dies spiegelt sich in den Ergebnissen unserer Versorgung wider. Seit Einführung der neuen Operationsmethode haben wir auch eine Nachbehandlung und vor allem eine Testung der Patienten eingeführt. Diese führen wir systematisch nach drei und sechs Monaten durch. Erste Analysen zeigen bereits, dass die Beweglichkeit und die «natürliche» Stabilität der Gelenke besser ist, was sich auch auf die Patientenzufriedenheit niederschlägt.
Dr. Lehnen: Für Patienten ergeben sich Vorteile in der «biologischen» Wahrnehmung der Prothese. Die individuell angepasste Kinematik führt dazu, dass es weniger zum Gefühl eines Fremdkörpers kommt. Auch die Beweglichkeit und Stabilität des Kniegelenkes konnten nochmals verbessert werden, was zu einer schnelleren Rehabilitation und voraussichtlich besseren Mobilität unserer Patienten führt.


Dr. Lehnen: Grundsätzlich profitieren alle Patientengruppen von einer präzisen Operationstechnik. Besonders hervorzuheben sind allerdings Patienten mit starker Achsabweichung der Kniegelenke (X- und O-Beine) oder funktionellen Defiziten wie einem Ausfall der Streck- oder Beugefähigkeit. Auch Revisionsoperationen und Prothesenwechsel können mit dem Roboter einfacher und präziser durchgeführt werden.
Dr. Lehnen: Die Medizin wird sich wie viele andere hochspezialisierte Wirtschaftsbereiche schnell hinsichtlich assistierender Robotik- und KI-unterstützte Systeme weiterentwickeln. Ich gehe nicht davon aus, dass der Faktor «Mensch» – also der Operateur – in naher Zukunft dadurch ersetzt wird, sondern sehe die Vorteile der Systeme eher in der höheren Präzision, objektiven Messbarkeit und zunehmenden Individualisierung der Versorgung. Auch andere Eingriffe, wie etwa Kreuzbandoperationen und Umstellungsoperationen (Achskorrekturen) könnten unter Zuhilfenahme von Robotersystemen an Präzision und Effizienz gewinnen.
Zudem hoffe ich, dass sich zunehmend auf Robotik spezialisierte Zentren mit hohen Fallzahlen etablieren, um eine risikoarme und messbar hochstehende Versorgung unserer Bevölkerung sicherzustellen. Denn nur ein Arzt, der diese Eingriffe in hoher Fallzahl durchführt, kann die steigenden Ansprüche der Patienten und notwendigen effizienten Abläufen in Kliniken bedienen.