Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie zur Internationalen Woche der Patientensicherheit 2026 zum Thema nichtübertragbare Krankheiten. Gestern ging es um Prävention, alle Beiträge der Woche finden Sie hier.
Nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Krebs oder psychische Erkrankungen begleiten viele Menschen über Jahre.
In der Schweiz leben rund 2,7 Millionen Menschen mit einer nichtübertragbaren Krankheit (NCD). Für sie ist nicht nur entscheidend, welche Behandlung medizinisch empfohlen wird, sondern auch, ob diese verständlich, im Alltag umsetzbar und über längere Zeit gut koordiniert ist.
Eine chronische Erkrankung verändert sich. Ebenso verändern sich Lebenssituationen, Prioritäten, Belastbarkeit und Unterstützungsbedarf. Deshalb muss eine gute Behandlung regelmässig überprüft und gemeinsam angepasst werden. Sicherheit entsteht nicht durch einen starren Plan, sondern durch einen verlässlichen Prozess.
Dabei sind Vertrauen, Kontinuität und verständliche Kommunikation keine Zusatzleistungen, sondern wesentliche Voraussetzungen für eine wirksame Behandlung. Sie tragen dazu bei, dass Beschwerden offen angesprochen, Unsicherheiten geklärt und vereinbarte Massnahmen im Alltag umgesetzt werden. Eine gute Arzt- Patient- Beziehung ersetzt weder Diagnostik noch evidenzbasierte Behandlung, schafft aber häufig die Grundlage dafür, dass beides wirksam werden kann.
Laborwerte, Leitlinien und Diagnosen sind wichtig - aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte. Entscheidend ist auch, was der betroffenen Person im Alltag wichtig ist: selbstständig bleiben, arbeiten können, Schmerzen reduzieren, für Angehörige da sein oder eine belastende Therapie vermeiden. Gemeinsame Ziele verbinden medizinische Evidenz mit der persönlichen Lebenssituation.
Bei chronischen Erkrankungen gibt es häufig mehrere vertretbare Behandlungsmöglichkeiten. Nutzen, Risiken und persönliche Prioritäten sollten ausführlich besprochen werden. Shared Decision Making bedeutet, dass Fachwissen und persönliche Präferenzen zusammengeführt werden - nicht, dass die Verantwortung einfach an Patienten abgegeben wird. Wie Patientinnen und Patienten diese Rolle aktiv ausfüllen, ist das Thema von Tag 3.
Mit jeder zusätzlichen Diagnose steigt oft auch die Zahl der Medikamente. Eine regelmässige Kontrolle der Indikationen, eine aktuelle Medikamentenliste, die Klärung von Einnahme, Wirkung und Nebenwirkungen sowie die Prüfung von Interaktionen sind zentrale Sicherheitsmassnahmen. Auch rezeptfreie Präparate und Nahrungsergänzungsmittel gehören dazu. Hier geht es um die laufende Überprüfung; der gezielte Medikamentenabgleich beim Ein- und Austritt ist Thema von Tag 4.
Patienten sollen wissen, welche Veränderungen sie selbst beobachten können und bei welchen Warnzeichen sie Hilfe suchen sollen. Ein konkreter Handlungsplan ist hilfreicher als der allgemeine Rat, sich bei Problemen zu melden.
Hausarztpraxis, Spezialisten, Therapien, Spitex, Apotheke, Klinik und Angehörige können gleichzeitig beteiligt sein. Integrierte Versorgung gewährleistet, dass relevante Informationen, Behandlungsziele und Verantwortlichkeiten nicht an institutionellen Grenzen verloren gehen. Die kritischen Übergabemomente selbst behandeln wir an Tag 4.
Selbstmanagement bedeutet, Menschen so zu unterstützen, dass sie ihre Erkrankung im Alltag möglichst selbständig und sicher bewältigen können. Dazu gehören verständliche Informationen, realistische Ziele, praktische Hilfsmittel und ein Zugang zu professioneller Unterstützung. Die Verantwortung für eine koordinierte Versorgung bleibt beim Versorgungssystem. Tag 3 widmet sich ganz dem Patient Empowerment und dem Selbstmanagement im Alltag.