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16.09.2026

Tag 3 – Patient Empowerment

Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie zur Internationalen Woche der Patientensicherheit 2026 zum Thema nichtübertragbare Krankheiten. Alle Beiträge der Woche finden Sie hier: Blog.

Behandlung ist Teamarbeit – Sie machen den Unterschied

Gesundheit entsteht nicht nur im Spital oder in der Arztpraxis. Ein grosser Teil dessen, was unsere Gesundheit beeinflusst, geschieht im Alltag – zwischen den einzelnen Konsultationen. Genau hier setzt Patient Empowerment an.

Patient Empowerment bedeutet, Patientinnen und Patienten zu befähigen, ihre Gesundheit aktiv mitzugestalten. Wer die eigene Erkrankung besser versteht, Fragen stellt, persönliche Ziele formuliert und Behandlungsentscheidungen mitträgt, wird vom passiven Empfänger medizinischer Leistungen zum aktiven Partner im Behandlungsprozess.

Im Swiss Medical Network verstehen wir Behandlung als Teamarbeit. Medizinische Fachpersonen bringen ihr Fachwissen ein, Patientinnen und Patienten ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Ziele. Diese partnerschaftliche Zusammenarbeit bildet die Grundlage einer modernen integrierten Versorgung. Selbstmanagement beeinflusst dabei wesentliche Aspekte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Patient Empowerment ist damit ein wichtiger Hebel zur Verbesserung von Outcomes und Lebensqualität.

Wussten Sie schon? 

  • Menschen mit höherer Patientenaktivierung zeigen häufiger gesundheitsförderndes Verhalten und eine bessere Therapietreue.
  • Selbstmanagementprogramme können Selbstwirksamkeit und Lebensqualität verbessern.
  • Gemeinsame Entscheidungsfindung stärkt die Zufriedenheit mit der Behandlung.
  • Gesundheitskompetenz gilt heute als zentrale Voraussetzung für eine aktive Beteiligung am Behandlungsgeschehen.
  • Patient Empowerment ist ein wichtiger Bestandteil moderner integrierter Versorgung.

Warum Patient Empowerment wirkt

Patient Empowerment bedeutet, die eigene Gesundheit aktiv mitzugestalten. Dabei geht es nicht darum, die Verantwortung für die Behandlung allein zu übernehmen. Vielmehr werden Patientinnen und Patienten dabei unterstützt, ihre Erkrankung besser zu verstehen, informierte Entscheidungen zu treffen und gemeinsam mit den Gesundheitsfachpersonen passende Lösungen zu finden.

Studien zeigen, dass Menschen, die aktiv in ihre Behandlung eingebunden sind, häufiger gesundheitsfördernde Verhaltensweisen umsetzen, Therapien besser einhalten und ihre Gesundheit insgesamt positiver bewerten (Greene & Hibbard, 2012). Auch strukturierte Selbstmanagement-Unterstützung kann das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken und zu besseren gesundheitlichen Ergebnissen beitragen (Dineen-Griffin et al., 2019).

Was bedeutet das konkret?

Aktiv an der eigenen Gesundheit mitzuwirken, beginnt oft mit kleinen Schritten im Alltag:

  • Informationen zur eigenen Erkrankung verstehen und bei Unklarheiten nachfragen.
  • Sich auf Arztgespräche vorbereiten und wichtige Fragen notieren.
  • Eigene Beschwerden, Fortschritte oder Veränderungen beobachten und ansprechen.
  • Gemeinsam mit dem Behandlungsteam persönliche Gesundheitsziele festlegen.
  • Behandlungen und Empfehlungen möglichst aktiv in den Alltag integrieren.
  • Unterstützung durch Angehörige oder Fachpersonen nutzen.

Was können Sie selbst tun?

Die Forschung zum Selbstmanagement beschreibt verschiedene Bereiche, in denen Patientinnen und Patienten ihre Gesundheit aktiv beeinflussen können (Lorig & Holman, 2003):

Verstehen

Je besser Sie Ihre Erkrankung verstehen, desto einfacher fällt es, Entscheidungen zu treffen und Veränderungen einzuordnen.

Beispiel: Fragen Sie nach, welche Faktoren Ihre Beschwerden verbessern oder verschlechtern können.

Mitentscheiden

Ihre persönlichen Ziele und Lebensumstände sind wichtig für die Behandlungsplanung.

Beispiel: Sprechen Sie an, was Ihnen besonders wichtig ist, etwa mehr Mobilität, weniger Schmerzen oder eine höhere Belastbarkeit im Alltag.

Beobachten

Veränderungen früh wahrzunehmen hilft dabei, gemeinsam mit dem Behandlungsteam rechtzeitig zu reagieren.

Beispiel: Notieren Sie Beschwerden, Schmerzen, Schlafqualität oder Ihre Energie im Alltag.

Umsetzen

Gesundheit entsteht nicht nur in der Arztpraxis, sondern vor allem im Alltag.

Beispiel: Regelmässige Bewegung, ausreichend Schlaf, die Einnahme von Medikamenten wie vereinbart oder bewusst eingeplante Erholungsphasen können einen wichtigen Beitrag leisten.

Fragen stellen

Gute Entscheidungen entstehen durch ein gemeinsames Verständnis.

Beispiel: Fragen Sie sich und Ihr Behandlungsteam: Welche Möglichkeiten für Sie bestehen und ob es Vor- und Nachteile gibt sowie welche Option am besten zur persönlichen Situation passt.

Jeder kleine Schritt zählt

Patient Empowerment bedeutet nicht, alles perfekt zu machen. Es bedeutet, sich Schritt für Schritt aktiv einzubringen und weiterzuentwickeln. Jede Frage, jede bewusste Entscheidung und jede gesundheitsfördernde Handlung kann dazu beitragen, die eigene Lebensqualität zu verbessern.

Stellen Sie sich doch im Alltag einmal folgende Frage:

«Was kann ich heute tun, um meine Gesundheit oder mein Wohlbefinden positiv zu beeinflussen? »

Oft sind es die kleinen, regelmässigen Schritte, die langfristig den grössten Unterschied machen.

Lesen Sie unsere Experteninterviews

Was ist der wichtigste Beitrag, den eine Patientin oder ein Patient zur eigenen Gesundheit leisten kann?

Was ist der erste Schritt, um die eigene Gesundheit aktiv mitzugestalten?

Welchen Rat würden Sie einer Person geben, die gerade die Diagnose einer chronischen Erkrankung erhalten hat?

Welche kleine Ernährungsumstellung kann einen grossen Einfluss auf die Gesundheit haben?

Unser Ziel ist Ihre Gesundheit

Patient Empowerment ist ein zentraler Bestandteil moderner integrierter Versorgung. Behandlungserfolg entsteht nicht allein durch medizinische Leistungen, sondern durch das Zusammenspiel von Fachwissen, gemeinsamer Entscheidungsfindung und aktivem Selbstmanagement.

Patientinnen und Patienten sind ein wichtiger Teil des Behandlungsteams.

Doch selbst die beste Eigenverantwortung braucht ein System, das im richtigen Moment nicht wegschaut. Morgen, an Tag 4, geht es um Übergaben, den Moment, der oft über alles entscheidet.

Literaturverzeichnis

Barlow, J., Wright, C., Sheasby, J., Turner, A., & Hainsworth, J. (2002). Self-management approaches for people with chronic conditions: A review. Patient Education and Counseling, 48(2), 177–187. https://doi.org/10.1016/S0738-3991(02)00032-0

Barry, M. J., & Edgman-Levitan, S. (2012). Shared decision making—The pinnacle of patient-centered care. New England Journal of Medicine, 366(9), 780–781. https://doi.org/10.1056/NEJMp1109283

Bodenheimer, T., Lorig, K., Holman, H., & Grumbach, K. (2002). Patient self-management of chronic disease in primary care. JAMA, 288(19), 2469–2475. https://doi.org/10.1001/jama.288.19.2469

Coulter, A., Entwistle, V. A., Eccles, A., Ryan, S., Shepperd, S., & Perera, R. (2015). Personalised care planning for adults with chronic or long-term health conditions. Cochrane Database of Systematic Reviews, (3), CD010523. https://doi.org/10.1002/14651858.CD010523.pub2

Dineen-Griffin, S., Garcia-Cardenas, V., Williams, K., & Benrimoj, S. I. (2019). Helping patients help themselves: A systematic review of self-management support strategies in primary health care practice. PLoS ONE, 14(8), e0220116. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0220116

Greene, J., & Hibbard, J. H. (2012). Why does patient activation matter? An examination of the relationships between patient activation and health-related outcomes. Journal of General Internal Medicine, 27(5), 520–526. https://doi.org/10.1007/s11606-011-1931-2

Kangovi, S., Mitra, N., Norton, L., Harte, R., Zhao, X., Carter, T., Grande, D., Long, J. A., Asch, D. A., & Shannon, R. (2018). Effect of community health worker support on clinical outcomes of low-income patients across primary care facilities: A randomized clinical trial. JAMA Internal Medicine, 178(12), 1635–1643. https://doi.org/10.1001/jamainternmed.2018.4630

Lorig, K. R., & Holman, H. (2003). Self-management education: History, definition, outcomes, and mechanisms. Annals of Behavioral Medicine, 26(1), 1–7. https://doi.org/10.1207/S15324796ABM2601_01

Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. (2024). Schweizer Ernährungsempfehlungen für Erwachsene. Bern: SGE.

Bundesamt für Gesundheit. (2026). Nichtübertragbare Krankheiten (NCD): Prävention und Gesundheitsförderung. Bern: BAG.

Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. (2025). Schweizer Ernährungsstrategie 2025–2032. Bern: BLV.

World Health Organization. (2025). Health literacy. Geneva: World Health Organization.

World Health Organization. (2025). Noncommunicable diseases. Geneva: World Health Organization.

World Health Organization. (2026). Self-care for health and well-being. Geneva: World Health Organization.

WHO Regional Office for Europe. (2023). Therapeutic patient education: An introductory guide. Copenhagen: WHO Regional Office for Europe.

Erfahren Sie mehr über die Woche der Patientensicherheit

Tag 1 – Prävention

Tag 2 – Begleitung bei NCDs

Tag 3 – Patient Empowerment

Tag 4 – Übergaben

Tag 5 – Integrierte Versorgung (VIVA)

Was ist der wichtigste Beitrag, den eine Patientin oder ein Patient zur eigenen Gesundheit leisten kann?

Was ist der erste Schritt, um die eigene Gesundheit aktiv mitzugestalten?

Welchen Rat würden Sie einer Person geben, die gerade die Diagnose einer chronischen Erkrankung erhalten hat?

Welche kleine Ernährungsumstellung kann einen grossen Einfluss auf die Gesundheit haben?

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